Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen

Vielleicht klingt dem einen oder anderen dieser Satz aus dem Lukas-Evangelium gerade jetzt leise in den Ohren, weil er irgendwie zu Weihnachten gehört. Vielleicht auch, weil das nahende Ende eines herausfordernden Jahres zum inneren Aufräumen einlädt. Oder weil man sich dieser Tage einfach etwas mehr Friedlichkeit wünscht. Doch so „einfach“ scheint es irgendwie nicht zu gehen …  

Denn auch wenn man mitunter gerne von sich behauptet, stets friedlich unterwegs zu sein, hält das manchmal nur so lange an, bis unser Gegenüber alles andere als friedlich zu uns ist. Dann kann es mit der eigenen Friedfertigkeit ganz schnell vorbei sein. Schließlich muss man sich ja nicht alles gefallen lassen! Und der andere kann doch auch mal damit anfangen, friedlich zu sein. 

Vielleicht zeigt sich Frieden etwas anders, als wir denken

Es gibt wohl kaum einen Menschen, der Frieden nicht für erstrebenswert hält. Irgendwie haben wir doch alle den Wunsch nach „Frieden auf Erden“? Naja, zumindest in unserer eigenen kleinen Welt. Aber oftmals fehlt uns schon hier die Fähigkeit, diesen Frieden zu stiften. Nicht selten gerade zu Weihnachten, dem Fest der Liebe. Denn wenn die Schwiegermutter alle Jahre wieder in der Küche  steht und zum x-ten Mal erklärt, dass man den Weihnachtsbraten früher ganz anders zubereitet hat, geht bei so mancher Schwiegertochter schnell mal das innere Weihnachtslicht aus. So ist es wahrscheinlich eine unserer größten Friedenshürden, anzuerkennen, dass es auch unsere eigene Gemütsverfassung ist, die unsere friedliches Miteinander beeinflusst. 

Wie oft fühlen wir, wie Unzufriedenheit in unserer Herzkammer nagt

Wollen wir aufmerksam hinsehen, können wir vielleicht erkennen, dass unsere „unbefriedigende“ Gegenwart nicht selten auf einer Problematik in der Vergangenheit beruht, an die wir uns erinnern. Also etwas, das „damals“ geschehen ist. Oder etwas, was wir einmal selbst getan oder unterlassen haben. Aus Versäumtem, Verlorenem, aus nicht erfüllten Bedürfnissen. Und wir halten gedanklich an diesen Geschichten fest, weil sie doch irgendwie zu uns gehören.

Jedoch werden sich die gegenwärtigen Umstände trotz oder gerade wegen unserer anhaltenden Erinnerungen nicht verändern. Denn das ständige Gedankenkreiseln um die Gründe, warum das oder jemand nicht so ist, wie wir es gerne hätten, bindet uns weiter an die bedrückenden Geschichten aus der Vergangenheit, die wir eigentlich nicht wieder erleben wollen – und durch das ständige gedankliche Hervorholen doch immer wieder beleben. Das kostet Energie, die uns dann für gegenwärtige Erlebnisse und neue Erfahrungen fehlt.  

Die „Tapferen“ unter uns sehen das anders. Sie richten den Blick nach vorne, in die Zukunft. Und achten gewissenhaft darauf, dass ihnen das unbefriedigende Ereignis nicht noch einmal passiert. Sie meiden einfach die Umstände und Personen, die nicht zu ihnen passen und für Unfrieden sorgten. Diese Vermeidungsstrategie birgt aber auch vorsichtiges Misstrauen in sich. Und Vorsicht ist zwar die „Mutter der der Porzellankiste“, aber mangelndes Vertrauen die Schwester der Unzufriedenheit.

Worum geht es eigentlich wirklich,

wenn wir uns Frieden in der Welt wünschen?

Es sind oft keine Riesenwünsche, von denen wir glauben, dass sie unser Innerstes friedlich stimmen. Meist bräuchten wir „einfach nur“ ein paar Dinge anders, die wir, so wie sie sind, nicht aushalten oder bewältigen können. Manchmal handelt es sich um einen Menschen, der anders sein oder einen Umstand, der sich verändern soll. Aber solange sich unser Geist damit beschäftigt, welche Änderungen vom Anderen oder dort draußen vorzunehmen sind, halten wir den Frieden in unseren Grenzen.

Solange wir uns gegen die vergangenheitsbasierte „Gegenwärtigkeit“ auflehnen und uns in Gedanken ständig mit der zukünftig gewünschten Veränderung beschäftigen, kann sich der Frieden, den wir gerade jetzt ersehnen, nicht ausbreiten. Weil ein latent vorhandenes Gefühl der Unlösbarkeit in uns keinen Raum dafür lässt.

Was hilft ist die Erkenntnis, dass nur Gelassenheit den Weg zum inneren Frieden ebnet

„Annehmen, was ich nicht ändern kann“, meldet sich eine leise Stimme, wenn wir besinnlich werden. Leichter gehört als getan. Doch wenn wir die „Stille Nacht“ als friedenstiftende Zeit für wahr nehmen und in uns still werden, zeigt sich vielleicht bald ein zartes Gefühl, dass den Frieden in uns einleiten will. Hoffnung. Und wenn wir die Energie, die wir bislang für Ablehnung ver(sch)wendet haben, für unsere persönliche Entwicklung nutzen, kann tatsächlich Veränderung geschehen und das hat auch Auswirkung auf den Frieden in unserer Welt. Doch dafür braucht es inneren Raum. Wenn unsere Gedanken jedoch mit unlösbaren Fragen wie „Warum versteht er mich nicht?“ oder mit einer Abwehrhaltung gegenüber der Krise in der Gesellschaft beschäftigt sind, fehlt eben dieser für die wahrhaft friedensbewegende Frage:

Wie kann ich selbst Friedensstifter sein?

Und dann heißt es innerlich mitgehen. Mitgehen mit dem, was sich in mir zeigen will – mit dem, was in diesem weiter gewordenen Raum in mir wachsen möchte. Und je näher ich dem flackernden Licht komme, das wie eine Weihnachtskerze die dunklen Erinnerungsecken in meiner Herzkammer erhellt, spüre ich aufkeimende Hoffnung und Frieden in mir.  Und die Gewissheit, es ist ein Anfang.

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