Es ist schon eigenartig, was derzeit um uns herum so geschieht. Vieles verändert sich und man könnte leicht die Orientierung verlieren. Die Frage, wohin es gehen wird oder wofür man sich entscheiden soll, taucht immer häufiger auf. Und wenn man es einmal wagt, einen Traum ins Feld zu schicken, bringen unsere Zweifel gleich einen Unsicherheitsbrief als Antwort in unsere Gedanken zurück.

Wird sich mein Wunsch jemals erfüllen?

Hab ich das verdient? Wieso sollte ausgerechnet ich…?
Kaum zu Ende gedacht, sieht man im Geiste den Traum wie eine Seifenblase platzen… 

Habt Ihr euch auch schon einmal gefragt, wo diese Zweifel eigentlich herkommen? Sind sie wirklich einfach da? Oder rufen wir sie am Ende selbst herbei?

Nachdem in so mancher Wertevorstellung ein zweifelbehafteter Zustand eher die Position einer Schattenseite innehat, habe ich mich einmal auf die Suche gemacht, was denn das Positive am Zweifeln sein könnte –  und bin fündig geworden.

Es gab einmal eine Zeit, in der Zweifeln als eine Sünde galt. 

Wenn  das Übel „Zweifel“ auftauchte, musste es sofort beseitigt werden, da dieser (erst einmal zum Dauerzustand geworden) zur Ver-Zweiflung führen könnte. Dies galt im Mittelalter als „Irresein“ und das wurde mit dem Tod bestraft!

Wenn wir ehrlich sind, können die eigenen Zweifel einen tatsächlich „verrückt“ machen und nicht selten ist es ein schwieriges bis unmögliches Unterfangen, diese einfach abzustellen. Wie gut, dass die guten alten Zeiten vorbei sind…

Erleichterung war erst in Sicht, als Descartes (französischer Philosoph) zu Beginn der Aufklärung den Zweifel als philosophische Methode zur *Erkenntnis*-Gewinnung beschrieb. Der Zweifler durfte seither am Leben bleiben. Er musste „nur“ noch lernen, damit umzugehen. 

Welche Erkenntnis soll den eigentlich gewonnen werden, wenn der Zweifel auftaucht? 

Ich denke, man soll herausfinden, was einem wirklich wichtig ist und woran man glaubt. Zweifel sind also Helfer auf der Suche nach den eigenen Werten. Wer also aus tiefstem Herzen glaubt, zweifelt nicht … oder? 

Nun ja, zumindest stützt sich der tiefe Glaube auf das, wovon man zutiefst überzeugt ist. Wenn wir also etwas für wahr halten und von dieser Vorstellung absolut überzeugt sind, kann nichts und niemand uns von dieser Wahrheit abbringen. Auch nicht, wenn wir mit unserer Wahrheit alleine da stehen. 

Aber da gibt es einen Haken …

In dem Moment, wo das Gefühl auftaucht mit der eigenen Wahrheit allein zu sein, verstärken sich die Zweifel. Denn wer will das schon – alleine da stehen?! 

Natürlich, es gibt Menschen, die von sich behaupten, gut allein sein zu können. Aber die Spezies *Mensch* ist nicht für das Alleinsein geschaffen. Wir sind „Rudeltiere“ und brauchen die anderen Menschen, um uns zu orientieren, um Halt und Sicherheit zu spüren und manchmal auch, um uns zu messen. Das alles hilft uns bei unserer Weiterentwicklung und dabei uns selbst kennen zu lernen. Denn in der Begegnung mit *dem Anderen* können wir herausfinden, wer und wie wir sind. 

Wir brauchen Spiegel und Vergleiche, um früher oder später eine eigene Identität zu entwickeln.

Erinnert euch nur mal an den Pausenhof in der Schule. Hier fand unserer Identitätsbildung einen wunderbaren Nährboden. Und wer abseits stand, hatte es nicht immer leicht.

Zusammengefasst könnten wir also sagen, dass Zweifel der Orientierung dienen. Also tatsächlich hilfreich sind. Aber was nagt denn dann noch so in uns, wenn sie auftauchen? 

Ich glaube, es ist auch die Angst „eine falsche Entscheidung zu treffen“ die uns verzweifeln lässt. Gerade wenn wir nicht alle Informationen haben, weil wir noch nie in dieser oder jener Situation waren. Weil alles neu ist, was sich uns in dem Moment der Neuorientierung zeigt. 

Wer will schon Fehler machen?

Nun ja – ich gestehe, dass es noch nicht allzu lange her ist, dass ich begann, mich immer öfter „für“ etwas zu entscheiden. Als ich erkannte, dass gerade meine Fehler mich dahin gebracht haben, wo ich heute bin. Sie haben mir jedes Mal gezeigt, was und wie es nicht gut für mich ist. Und ich bekam gleich nach dieser Erkenntnis, die Chance den ursprünglich fehlerhaften Weg noch einmal anders auszuprobieren. Solange bis ich verstand, was das Geschehen mit mir zu tun hat und wie es für mich richtig ist. Ich durfte nur nicht den Mut verlieren.

Im Laufe der Zeit, durchzogen von mutigen Schritten und zweifelhaften Fehlern, kläglichem Scheitern und glaubwürdigen Neuanfängen fügte ich meine Zweifel, meine Angst vor dem Fehler machen und meinen Mut zusammen, lernte meinen Weg zu lieben (und dabei immer mehr auch mich) … und verstand so nach und nach dieses Zitat:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. 

Und ohne Zweifel kann ich heute sagen, dass dieser Prozess niemals aufhört.

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